Huang Min
Im Fluß der Formen
Curated by Ronald Kiwitt
all work loans: BMCA Collection
Museum DKM Duisburg
February 23, 2026 – January 31, 2027

Installation View, Museum DKM
Photo Georg Herder
Mit der Ausstellung Im Fluss der Formen positioniert das Museum DKM Huang Mins Werk innerhalb eines erweiterten Diskurses zur zeitgenössischen Kunst Asiens. Ihr künstlerisches Handeln bewegt sich im Spannungsfeld von traditioneller, chinesischer Bildästhetik und modernen, global geprägten Fragestellungen. In diesem Kontext werden zentrale kunsthistorische Themen wie Transformation, Kontinuität und kulturelle Übersetzung verhandelt.
Die präsentierten Werke treten in einen dialogischen Bezug zur Sammlung des Museums, indem sie bestehende formale, materielle und inhaltliche Bezüge neu akzentuieren. Auf diese Weise eröffnet die Ausstellung differenzierte Perspektiven auf die Sammlung DKM und erweitert deren kunsthistorische Lesart.
Wir danken Ronald Kiwitt und Alexandra Grimmer herzlich für ihre professionelle Unterstützung sowie der Sammlung BMCA (Blue Mountain Contemporary Art, Luxemburg) für die großzügigen Leihgaben aus ihrem Bestand, ohne die diese Ausstellung nicht hätte realisiert werden können.

Curator Ronald Kiwitt during the opening of the exhibition on February 22, 2026
Huang Min – Im Fluss der Formen
Die Künstlerin Huang Min (*1975, Chongqing) vereint in ihrem Werk auf eindrucksvolle Weise die Tiefe traditioneller chinesischer Ästhetik mit Fragestellungen einer globalisierten Gegenwart. Nach ihrem Studium an der Sichuan Academy of Fine Arts (1998) und der Promotion an der Central Academy of Fine Arts in Peking (2006) lebt und arbeitet sie heute zwischen China und den USA. Ihr facettenreiches Œuvre entzieht sich eindeutigen medialen Zuschreibungen und entfaltet eine eigenständige Bildsprache, die sich kontinuierlich wandelt – ein permanenter Fluss der Formen.
Im Fokus ihrer künstlerischen Auseinandersetzung steht die menschliche Figur. Ob als anonyme Silhouette, flüchtige Erscheinung im urbanen Raum oder intime, portraithafte Darstellung auf Leinwand, Papier oder Porzellan – Huang Mins Figuren verweilen häufig in Momenten stiller Versenkung. Sie verleihen den Werken eine subtile psychologische Dimension und öffnen einen reflexiven Raum zwischen Erinnerung und unmittelbarer Wahrnehmung. Obwohl ihre Bildsprache im Realismus verankert ist, distanziert sie sich bewusst vom satirischen Gestus früherer chinesischer Kunstströmungen. Stattdessen entwickelt sie einen nüchternen, beobachtenden Stil, der alltägliche Szenen durch narrative Feinheit in zeitlose Bildräume überführt.
Die präsentierten Werke treten in einen dialogischen Bezug zur Sammlung des Museums, indem sie bestehende formale, materielle und inhaltliche Bezüge neu akzentuieren. Auf diese Weise eröffnet die Ausstellung differenzierte Perspektiven auf die Sammlung DKM und erweitert deren kunsthistorische Lesart.
Wir danken Ronald Kiwitt und Alexandra Grimmer herzlich für ihre professionelle Unterstützung sowie der Sammlung BMCA (Blue Mountain Contemporary Art, Luxemburg) für die großzügigen Leihgaben aus ihrem Bestand, ohne die diese Ausstellung nicht hätte realisiert werden können.
Ein zentrales Moment ihres Werks ist der produktive Umgang mit dem künstlerischen Erbe. Geprägt durch ihren Großvater, einen renommierten Tuschemaler, übersetzt Huang Min dessen Techniken in eine zeitgenössische Bildsprache. Elemente klassischer Shuimohua-Malerei (水墨畫) sowie imaginierte Shanshui-Landschaften (山水) fließen in ihre Kompositionen ein, wobei konkrete Raumbezüge zugunsten symbolischer Ebenen aufgelöst werden. Auf diese Weise verhandelt sie gesellschaftlich sensible Themen und untersucht das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das monumentale, 16 Meter lange Gemälde, das heutige Betrachter vor tuscheähnlichen Landschaften zeigt und kulturelle Selbstreflexion ins Bild setzt.
Huang Mins künstlerische Praxis zeichnet sich durch eine ausgeprägte Offenheit gegenüber Materialien aus. Ihr Werk umfasst großformatige Ölmalereien, feinsinnige Aquarelle, die als visuelles Tagebuch fungieren, sowie komplexe Porzellanarbeiten. Gerade letztere offenbaren bei näherem Hinsehen hinter ornamentalen Oberflächen ein Geflecht expliziter Figurendarstellungen – ein subtiler Kommentar zu gesellschaftlichen Tabus. „Die Übertragung intimer Motive auf öffentliche Objekte wie Teeservices interessiert mich als Paradox – es geht um die Gleichzeitigkeit von Genüssen“, erklärt die Künstlerin. Diese Haltung spiegelt sich auch im Ausstellungstitel wider, der auf ihre ungebändigte malerische Energie und ihre bewusste Weigerung verweist, sich auf ein einzelnes Medium festzulegen.
Die Ausstellung im Museum DKM versammelt Schlüsselwerke aus unterschiedlichen Schaffensphasen und verdeutlicht Huang Mins kontinuierliche Auseinandersetzung mit Materialität, Identität und interkultureller Narration. Eine besondere Zäsur bilden dabei die während der Pandemie entstandenen Arbeiten, die eine Phase intensiver Reflexion und formaler Erweiterung markieren. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Huang Min unter anderem durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit der BMCA-Collection, die ihre Werke in Wien und Peking präsentierte.

A. Grimmer during a guided tour Museum DKM, June 2026
Photo Georg Herder
Das Museum DKM liegt im Zentrum der Duisburger Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof.
Die Architektur des Museums dient in nobler Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst.
Drei Baukörper erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 m² oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein.
Die Sammlung DKM vereint fünf weit auseinander liegende Bereiche: einerseits zeitgenössische Kunst seit den 60er Jahren des 20. Jh., andererseits bis über 2.000 Jahre alte sowie aktuelle Kunst aus Südostasien, ferner Kunst aus Alt-Ägypten, zudem Gefäße aus 5.000 Jahren Kulturgeschichte bis in die Gegenwart und schließlich klassische sowie zeitgenössische Fotografie.
Die zeitgenössische chinesische Sammlung beinhaltet u.a. Werke und Installationen von Song Dong, Yin Xiuzhen, Ai Weiwei, Qiu Shihua und Su Xiaobai.
DKM博物馆位于杜伊斯堡市中心,介于莱姆布鲁克博物馆所在的坎特公园与中央火车站之间。
博物馆的建筑以高雅的克制服务于艺术展览。三座建筑体延伸至五个楼层,占地2700平方米,共有51个展厅。从新建筑的展厅向外望去,可欣赏到精心布置的室外景观。门厅及博物馆咖啡馆则邀请您在此休憩与解乏。
DKM收藏汇集了五大相距甚远的领域:一方面是20世纪60年代以来的当代艺术,另一方面是拥有两千多年历史的以及当代的东南亚艺术,此外还有古埃及艺术,以及涵盖五千年文化史直至当代的器皿,最后还包括经典及当代摄影作品。
当代华人收藏中包括宋冬、尹秀珍、艾未未、邱世华和苏笑柏等人的作品与装置艺术。

Curator Ronald Kiwitt during the opening of the exhibition on February 22, 2026
Ronald Kiwitt (M.A.) –Sinologe und Kunsthistoriker
Ronald Kiwitt ist ein renommierter Sinologe und Kunsthistoriker mit Spezialisierung auf ostasiatische Kunst. Nach seinem Studium in Berlin und Peking sammelte er wertvolle praktische Erfahrungen in der internationalen Kunstwelt, unter anderem mit Praktika in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig und der Nationalgalerie in Peking. Diese frühen Stationen öffneten ihm Türen zur internationalen Museums- und Galerienlandschaft.
Von 2010 bis 2012 war Kiwitt als Kurator in Peking tätig, wo er tiefere Einblicke in die florierende zeitgenössische Kunstszene Chinas erhielt. Als künstlerischer Berater und Kurator des Privatmuseums HOW in Shanghai (2012–2014) war er unter anderem für den Ankauf einer bedeutenden Sammlung von Joseph Beuys verantwortlich. Diese Sammlung wurde 2013 unter dem Titel „Beuys in China“ erstmalig in Peking präsentiert.
Im Anschluss arbeitete Kiwitt für das renommierte Auktionshaus Christie’s und war maßgeblich an der Etablierung der Shanghai-Repräsentanz beteiligt. In dieser Zeit führte ihn seine Arbeit regelmäßig zu Kunstmessen in Hong Kong, Shanghai und Singapur.
2017 kehrte er nach Berlin zurück und begann als Dozent am Seminar für Ostasiatische Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin zu lehren, wo er über die zeitgenössische Kunstszene Chinas referierte. Seit 2020 ist Ronald Kiwitt als Leiter des Kunstbereichs am Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen tätig. Hier bietet er mit jährlich vier kuratierten Ausstellungen jungen internationalen Künstlern eine Plattform für akademischen und künstlerischen Austausch und bringt frische Positionen der globalen Kunstszene nach Bayern.
魏龙德——汉学家与艺术史学者
魏龙德是一位著名的汉学家和艺术史学者,专攻东亚艺术。在柏林和北京完成学业后,他在国际艺术界积累了宝贵的实践经验,包括在威尼斯佩吉·古根海姆收藏馆和北京中国国家美术馆实习。这些早期经历为他打开了通往国际博物馆和画廊界的大门。
2010年至2012年,魏龙德在北京担任策展人,深入了解了中国蓬勃发展的当代艺术生态。2012年至2014年,他担任上海昊美术馆(HOW)的艺术顾问和策展人,其间负责购藏了一批重要的约瑟夫·博伊斯作品。这批藏品于2013年以“博伊斯在中国”为主题在北京首次展出。
此后,魏龙德供职于著名拍卖行佳士得,并在其上海代表处的建立过程中发挥了关键作用。在此期间,他因工作关系定期前往香港、上海和新加坡参加艺术博览会。
2017年,他返回柏林,开始在柏林自由大学东亚艺术史系担任讲师,讲授中国当代艺术现状。自2020年起,魏龙德担任纽伦堡-埃尔兰根孔子学院艺术部负责人。在此职位上,他每年策划四场展览,为年轻的国际艺术家提供学术与艺术交流的平台,并将全球艺术界的新锐力量引入巴伐利亚。
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