Spanische Hofreitschule Wien
June 24-27, 2026

Pferdestärken, neu verhandelt
14. Juli 2026
Barocke Reithalle, Luxusautomobile, zeitgenössische Kunst: Bei der ersten AURUM Luxury Car Show in der Spanischen Hofreitschule brachte ARTCARE Positionen zusammen, die das Automobil als Statussymbol und Objekt der Begierde befragen, von Ma Jun über Erwin Wurm bis zu jungen Stimmen.
Das Auto als Objekt der Begierde
Ma Jun's Porcelain Car
In dieser Location und in diesem Zusammenhang fiel die Entscheidung leicht. Wo das Automobil als Objekt der Begierde inszeniert wird, lag es nahe, Positionen zu zeigen, die genau dieses Verhältnis von Ware, Status und Verlangen künstlerisch verhandeln. Für den kuratorischen Schwerpunkt entstand eine Zusammenarbeit mit Alexandra Grimmer und ihrem Team von BMCA (Blue Mountain Contemporary Art). Grimmer, promovierte Kunsthistorikerin und Expertin für zeitgenössische chinesische Kunst, verantwortet das Programm der BMCA, einer in Wien beheimateten Privatsammlung zeitgenössischer chinesischer und europäischer Kunst. Aus dieser Sammlung stammt Ma Juns „Porcelain Car" (2009): eine realitätsgroße, über sechs Meter lange Limousine aus Porzellan, zum ersten Mal in Wien zu sehen. Das Werk geht auf ein Buick-Konzeptauto zurück, das 2002 auf der Automesse in Peking für 30 Millionen Dollar präsentiert wurde, ein einziges Exemplar, eigens für den chinesischen Markt gefertigt. Ma Jun faszinierten dort vor allem die gierigen Blicke der Besucher und die schiere Macht des Kapitals. Da es nur dieses eine Auto gab, beschloss er, auf künstlerischem Weg ein zweites zu schaffen.
Über fünf Monate modellierte er das Fahrzeug aus einem einzigen Stück Ton, einen Vorgang, den er selbst als Performance verstand, bevor der Ton in hartes Material überführt und in den Glasurfarben der Song-Dynastie ausgeführt wurde. Darin treffen für Ma Jun zwei Sprachen aufeinander: das Automobil als Produkt der globalisierten westlichen Moderne, das für Geschwindigkeit, Macht und Status steht, und das Porzellan als frühes chinesisches Exportgut, das für Stille und Eleganz steht und doch ebenso einen hierarchischen Anspruch verkörpert. Anstelle des Nummernschilds trägt das Auto eine ironische Inschrift, die eine kaiserliche Jahresmarke der Yuan-Dynastie imitiert. So folgt das Werk der Logik einer perfekten Fälschung, die den Status ihres Vorbilds zugleich spiegelt und unterläuft.
Ma Jun wurde in den 1970er Jahren geboren und gehört einer Generation chinesischer Künstler an, die knapp nach den international bekannten Pionieren der zeitgenössischen Kunst in China aufwuchs. Als in den 1990er Jahren das Interesse an Gegenwartskunst im eigenen Land noch gering war, prägten ihn die frühen Erfolge dieser ersten Generation nachhaltig. Aufbauend darauf entwickelte Ma Jun mit seiner Arbeit eine eigenständige künstlerische Position.
Installation views


Artcare Review & article
















